Hamburger Uniklinik Eppendorf im großen Desaster

Auch das kommt vor, dass Patientenakten verschwinden. Es ist ein normaler Ablauf und bei diesem heutigen Stress, den die Ärzte und Schwestern ausgesetzt sind, kann es passieren, dass eine Akte falsch verlegt oder auf anderen Stationen gelandet ist. Was im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf allerdings passierte, spottet jeder Beschreibung. Die Klinik bestreitet vehement, Patientenakten verlegt oder wohlweislich manipuliert zu haben. Das ist natürlich ein schwerer Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft widerlegen muss. Eine Lungentransplantation ist keinesfalls ein einfacher operativer Eingriff, und dass da auch mal etwas schiefgehen kann, ist völlig klar, dennoch, wie aus anderen Kliniken vor gar nicht so langer Zeit vorgekommen, waren auch selbige Transplantationsunterfangen eine Sache der Staatsanwaltschaft. Es waren ziemlich scharfe Worte, die sich von der Uni Eppendorf ins Gefecht begaben. Sie wehrten sich mit der Begründung, dass es sich lediglich um einen „Prozessmangel in der Dokumentation“ handeln würde. Eine fadenscheinige Begründung hinter, was wirklich dahintersteckt, wird sicher in der Rubrik „intern“ verfallen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Uni-Klinik Eppendorf

Es wird aufgeräumt. Die Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer hatte Dokumentationen aus den Jahren 2010 – 2012 unter die Lupe genommen. Erstaunlicherweise wurden bei 14 von 25 Lungentransplantationen Beanstandungen ausgesprochen. Hier war von Dokumentationslücken die Rede. Was für ein Zufall, dass genau hier schon über die Hälfte der Dokumentationen mit vielen klinischen Fragen offen war. Sollte es auch hier zufällig passiert sein, dass die Originalakten ganz oder zufällig verschwanden? Zufälle gibt es nicht, glaubhaft ist es ebenfalls nicht. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen der „Aktenunterdrückung“. Ob strafrechtliche Verfahren nun letztendlich eingeleitet werden, bleibt offen. Die Beweislage ist noch recht dünn, tatsächlich ist der jetzige Zustand aber wohl eher so, dass der Vorwurf auf der Kippe steht.

Versorgungsleistungen bei lungenkranken Patienten

Die Uniklinik Hamburg-Eppendorf arbeitet bei der Versorgung der lungenkranken Patienten mit der LungenClinic Großhansdorf zusammen. Die Versorgungsleistungen beginnen hier, bevor die Transplantationen in Hamburg-Eppendorf vorgenommen werden. Bevor die Versorgungsleistungen beginnen, unterziehen sich die Patienten zunächst in Großhansdorf einer Blutgasanalyse. Die Analysen wurden ebenfalls von der Staatsanwaltschaft in Augenschein genommen. Hier stellte sich die Frage der Aufsichts-und Sorgsamspflicht. Der Prüfungskommission fiel auf, dass erheblich niedrige Sättigungswerte und Partialdruckwerte, die von den Normen abweichen, von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf an die Eurotransplant angegeben wurden, ohne den kritischen Gesundheitszustand des Patienten je nachvollziehen zu können. Die BGA-Werte passten also nicht zum dokumentierten Gesundheitszustand der jeweiligen Patienten. Lückenhafte Dokumentationen wurden an die Eurotransplant gemeldet. Selbst die Intensivverlaufskurven wurden nicht in protokollierter Form an die Prüfungskommission vorgelegt.

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Stellungnahme des UKE

Während die Kommission darauf aufmerksam machte, dass das UKE erheblich die Aufsichtspflichten vernachlässigt hat, hält das UKE nach wie vor daran fest, dass es ja mal vorkommen könnte, natürlich in fein geschliffener Interpretation. Es wird letztendlich eingeräumt, dass es Schnittstellenprobleme mit der LungenClinic Großhansdorf gäbe. Bedrückend sind nach wie vor die Zustände der unauffindbaren Patientenakten.
Fazit: Auch, wenn vielleicht kein Patient zu Schaden gekommen sein mag, bekannt sind jedenfalls solche Fälle bisher nicht, bleiben viele Fragen über die Transplantationen und ihre Auswirkungen sowie die Wartelisten der Patienten offen. Sind die damals verantwortlichen Ärzte noch in der Uniklinik Eppendorf im Dienst oder hat man wenigstens da die Leine und sie zur Verantwortung gezogen?

Quelle unseres Titelbildes: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)