Nun ist es ja für uns Landmenschen vom Prinzip her relativ einfach, an gesunde, frische und vitaminreiche Kost heranzukommen. Was es hier im Dorf nicht gibt, besorgt man sich im Nachbarort, in dem sich aufs Rad geschwungen wird, was dann nach wenigen Stunden nicht nur eine reichliche Beute für den Kühlschrank beschert, sondern auch noch fit hält. Dennoch bist du selbst bei tagelangen Radtouren immer noch nicht in der Lage, dich von den Industrielebensmitteln aus dem Supermarkt unabhängig zu machen, geschweige denn, sich durch den eigenen Selbstanbau im Garten nahrungstechnisch total Bio zu ernähren. Aber der Skandal mit den Eiern aus der letzten Woche hat nun wohl auch dem überzeugtesten Lebensmittelschnäppchenkäufer eindringlich vor Augen geführt, dass ein Umdenken bezüglich der eigenen Ernährungsgewohnheiten dringendst nottut.

Das heißt praktisch: Es bringt relativ wenig, sich nun in allen möglichen Facebook-Gruppen, im Bekannten- und Verwandtschaftskreis oder unter Arbeitskollegen aufzuschwingen, um seine Verwunderung und den persönlichen Ärger über vergiftete Eier kundzutun, nach dem Motto „Hilfe, wir werden alle sterben!“. Der nächste Lebensmittelskandal wird trotzdem kommen oder ist schon kurz vor der eigenen Türe, wie hier oben in Niedersachsen, wo sich die Landwirte laut NDR-Recherchen bereits wegen der afrikanischen Schweinepest große Sorgen machen. Es muss einfach rein ins Hirn, bei Ihnen und auch bei mir, dass letzten Endes der „König Kunde“ entscheidet, was hinter der Ladentheke zum Verkauf liegt und was nicht. Will heißen, wir sollten endlich bewusster zum Wochenendeinkauf marschieren, genau hinschauen, was man uns da anbieten will und Lebensmittel boykottieren, die mitunter Tausende Kilometer Transportweg hinter sich haben und aus solchen Ländern kommen, deren Erzeugnisse schon jahrelang in Verdacht stehen, alles andere als gesundheitsfreundlich zu sein.

Und: JA, richtige BIO-Lebensmittel sind teurer als industriell hergestellte Nahrung und leider gibt es besonders in unserem stets als wohlhabend proklamierten Land auch Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen, für die eine gesunde Ernährung nahezu unerschwinglich ist. Nur, so weitermachen wie bisher, wird nicht funktionieren.

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Aber, wie teuer ist es eigentlich, sich gesund zu ernähren? Ich habe mich mal beim „Lebe Gesund Versand“, dem Testsieger der Obst- und Gemüsekistenversender (lt. FAZ vom Juli 2017) ein wenig gründlicher umgeschaut, was die Preise mit Stand vom 6. August 2017 anbelangt.

Preise für ausgewählte Produkte "Gesund Leben Versand"

Obst- bzw. GemüsesorteVerkaufsmengeVerkaufspreis in Euro
Tomaten500 Gramm3,30
1 kg6,50
3 kg17,95
Salatgurken1 Stück 2,10
3 Stück5,95
5 Stück9,25
Zucchini500 Gramm1,90
1 kg3,65
Rote Johannisbeeren250-Gramm-Schale3,95
Schwarze Johannisbeeren150-Gramm-Schale3,95
Zwetschgen500 Gramm3,60
1 kg6,95
Paprika (bunt)500 Gramm4,00
1 kg7,95
Lauch500 Gramm3,95
1 kg7,90
Sommerwirsing1 Stück (Kopf)2,95
Petersilie 50 Gramm2,50
Gemüsezwiebeln1 Stück1,85
3 Stück4,95
Karotten (neue Ernte)500 Gramm1,75
1 kg3,45
3 kg9,45
Kartoffeln (festkochend)1 kg2,95
2,5 kg6,95
3 mal 2,5 kg19,95
Blumenkohl1 Stück (Kopf)4,50
Äpfel1 kg5,45
3 kg16,35

Dazu gesellen sich eine Reihe von tatsächlich lecker aussehenden und vorkonfektionierten Obst- und Gemüsekisten – alle selbstverständlich taufrisch und aus friedfertigem Anbau.

Wer Gartenarbeit nicht nur aus gedruckten Ratgeberbüchern kennt, weiß, dass die Höhe der oben genannten Preise durchaus gerechtfertigt ist. Das Saatgut kostet Geld, die Pflegemaßnahmen bei der Aufzucht sind nicht umsonst zu haben und ich selbst bin mir nicht mal sicher, ob ich für diesen Preis selbst angebaute Obst- und Gemüsesorten aus meinem Garten überhaupt verkaufen würde. Andererseits bleibt es völlig unbestritten, dass solche Verkaufspreise für einkommensschwache Menschen, beispielsweise Rentner oder Sozialhilfeempfänger jenseits von Gut & Böse sind.

Und selbst wer sich dazu durchringt, auf dem Markt, im Hofladen oder direkt beim Erzeuger etwas tiefer ins Portemonnaie greift, muss im Lebensmittelhandel damit rechnen, bei vielen Waren des täglichen Bedarfs von „Hacke bis Nacke“ betrogen und abgezockt zu werden. Von der Frische der Produkte wollen wir dabei erst gar nicht reden. Das fängt bei Mineralwasser und „Frucht“-Säften an und hört bei Fertiggerichten und Backwaren noch lange nicht auf.

Ein guter Freund hatte bereits vor Jahren sehr treffend formuliert: Selbst wenn alle Kriege es nicht zustande bringen, die Menschheit zu vernichten, die Lebensmittelkonzerne schaffen es irgendwann“. Wie recht er hat!